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Region • 25. September 2026

Förderschulverordnung: Fachkräfte und Institutionen fordern mehr Unterstützung für Schulen

Mehr Personal und Ressourcen für die Förderschulen sowie die Beibehaltung unterschiedlicher Förderwege – zwei von mehreren Forderungen, die sich bei der Podiumsdiskussion im Kreistagssaal zur neuen Förderschulverordnung herauskristallisierten. „Unser Ziel ist es nicht, Inklusion und Förderschulen gegeneinander auszuspielen, sondern herauszufinden welcher Lernort bietet welchem Kind die besten Bildungschancen und die größtmögliche Teilhabe“, sagte die zweite Kreisbeigeordnete des Landkreises Mainz-Bingen Almut Schultheiß-Lehn.

Zwei Jahre nach Einführung der Verordnung zeigt sich aus Sicht der Beteiligten ein differenziertes Bild. Schulen setzen die neuen Regelungen im Alltag um, stehen dabei aber vor unterschiedlichen Herausforderungen. Im Mittelpunkt der Diskussion standen deshalb vor allem die Fragen, welche Unterstützung Schulen benötigen, wie Förderangebote weiterentwickelt werden können und wie die Erfahrungen der Praxis stärker in politische Entscheidungsprozesse einfließen können.

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Auf dem Podium diskutierten Andreas Dilly, Schulleiter der Christian-Erbach-Realschule plus in Gau-Algesheim, Tobias Kowalewski, Schulleiter der Rabenkopf-Grundschule in Ingelheim-Wackernheim, Clarissa Schmitt, Schulleiterin der Albert-Schweitzer-Förderschule in Ingelheim, Gabriele Fichtner, ehemalige Schulleiterin der Albert-Schweitzer-Förderschule sowie Claudia Pilger, erste Vorsitzende des Vereins PRO Förderschulen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Almut Schultheiß-Lehn.

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„Wenn wir über die Zukunft von Förderung und Inklusion sprechen, müssen wir diejenigen einbeziehen, die täglich mit den Folgen unserer Entscheidungen arbeiten. Die Diskussion hat gezeigt, wie wichtig dieser direkte Austausch ist und wie viele konkrete Anliegen aus der Praxis bestehen“, sagt Schultheiß-Lehn. Auch Landrat Thomas Barth betont die Bedeutung des Austauschs mit den Menschen vor Ort: „Gute Förderung braucht die richtigen Voraussetzungen. Dazu gehören ausreichend Personal, die notwendigen Ressourcen und Entscheidungen, die die Realität in unseren Schulen berücksichtigen.“

Während der Diskussion sammelte und dokumentierte Yvonne Bless, Beauftragte des Landkreises Mainz-Bingen für Menschen mit Behinderung, die Anliegen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dabei kristallisierten sich mehrere zentrale Themenfelder heraus.

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Mehr Personal und Ressourcen für Schulen und frühkindliche Bildung:

Ein Schwerpunkt lag auf der Ausstattung von Grund-, Förder- und Schwerpunktschulen. Sie weisen darauf hin, dass das Recht auf Bildung durch den Ressourcenvorbehalt in der Förderschulordnung eingeschränkt wird. Die Teilnehmenden forderten unter anderem ausreichend sonderpädagogisches Fachpersonal sowie multiprofessionelle Teams. Auch Kitas sollen bei entsprechendem Bedarf stärker durch sonderpädagogische Fachkräfte unterstützt werden. Gleichzeitig wurde betont, dass auch Förderschulen mehr Ressourcen und eine passende Personalverteilung benötigen, um ihre Aufgaben gut erfüllen zu können.

Unterschiedliche Förderwege erhalten:

Ein zentrales Element der neuen Förderschulreform sollte unbedingt zurückgenommen werden; gemeint ist die Gutachtenerstellung erst in Klasse 2 und Klasse 6. Hier war man sich einig, dass wertvolle Zeit verloren geht, wenn lernbeeinträchtigte Kinder erst nach zwei Jahren in eine Förderschule wechseln können. Die Diskussion zeigte zudem den Wunsch, die verschiedenen Schulformen und Fördermöglichkeiten weiterzuentwickeln, ohne sie gegeneinander auszuspielen. Gefordert wurden unter anderem die Beibehaltung des freiwilligen zehnten Schuljahres an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen, die Wiedereinführung von Schulkindergärten und eine bessere Sprachförderung von Anfang an. Auch die Einrichtung einer Förderschule mit dem Schwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung im Landkreis Mainz-Bingen wurde angesprochen.

Diagnostik verbessern und Wartezeiten verkürzen:

Ein weiterer Themenbereich war die Diagnostik. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verwiesen auf lange Wartezeiten bei sozialpädiatrischen Zentren und forderten einen Ausbau der diagnostischen Angebote. Gefordert wurde, das Recht auf Beantragung eines sonderpädagogischen Gutachtens für den Förderschwerpunkt Lernen von den Eingangsklassen bis zur Klassenstufe sieben beizubehalten und die Antragstellung einfacher und praxisnäher zu gestalten.

Eltern und Interessenvertretungen stärker beteiligen:

Mehr Mitsprache war ebenfalls ein zentrales Anliegen. Der Elternwille soll stärker berücksichtigt werden. Die Interessenvertretungen pochen zudem darauf, das Recht der Eltern auf freie Schulwahl ernst zu nehmen. Sie sehen dieses Recht durch die geplante Wegnahme des qualifizierten Berufsreifeabschlusses an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen gefährdet und warnen davor, dass die freie Schulwahl dadurch faktisch „durch die Hintertür“ eingeschränkt werde. Gleichzeitig wünschen sie sich eine frühere und engere Beteiligung an Entscheidungsprozessen des Ministeriums. Entscheidungen sollten nicht ausschließlich von oben nach unten in die Schulen getragen werden, sondern die Erfahrungen derjenigen einbeziehen, die sie anschließend praktisch umsetzen.

Unterstützungssysteme ausbauen:

Darüber hinaus wurden verschiedene konkrete Unterstützungsangebote angesprochen, etwa die Aufnahme von Förderschulen in das Startchancen-Programm oder die Integration von Inklusionskräften in die Kollegien. Auch die Wiedereinführung von Schulkindergärten und der Erhalt durchlässiger Übergänge zwischen den Schulformen wurden als wichtige Punkte genannt.

Bereits 2024 hatte die Kreisverwaltung Mainz-Bingen die damaligen Änderungen der Förderschulverordnung zum Anlass genommen, gemeinsam mit verschiedenen Akteurinnen und Akteuren über die geplanten Neuregelungen zu diskutieren. Mit der aktuellen Veranstaltung wurde dieser Austausch fortgesetzt. Zwei Jahre nach Inkrafttreten der neuen Regelungen ging es nun darum, die Erfahrungen aus dem Schulalltag sichtbar zu machen und daraus konkrete Anliegen abzuleiten.

Dabei wurde deutlich: Die Umsetzung einer Verordnung entscheidet sich nicht allein auf dem Papier, sondern vor allem im täglichen Schulbetrieb. Deshalb sollen die Erfahrungen und Forderungen aus der Diskussion nun ihren Weg auf die Landesebene finden.

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