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Kultur • 10. August 2026

Virtuoses Tango-Konzert in der kING

Wer in seiner Jugend einmal eine Tanzschule besuchte, machte in der Sparte „Lateinamerikanische Tänze“ wohl auch Bekanntschaft mit dem Tango. Dieser Tanz stellte sich dabei als ein emotionsgeladenes Spiel mit Geschlechts-Klischees dar: auf der einen Seite der Mann als draufgänge- rischer Eroberer – auf der anderen Seite die Frau als leicht lasziv lockende Versuchung. Irgendwie hatte das alles einen Hauch von Verruchtheit. So sah das wohl auch der Vatikan, der 1914 ein Tango-Verbot aussprach. Der Tanz, der Ende des 19. Jahrhunderts im Rotlicht-Milieu von Buenos Aires entstanden war, hatte längst einen Weg nach Europa gefunden – und drohte in den Augen von Papst Pius X. die Moral der Gläubigen zu untergraben.

Doch wer – damals wie heute – im Tango nur einen Tanz sieht, verkennt den wahren Charakter dieses „Exportschlagers“ aus Argentinien. Tango ist eine musikalische Ausdrucksform, zu der auch Gesang und Begleitung durch Instrumente gehören. Waren dies anfangs noch Flöte und Gitarre, so traten allmählich Bandoneon, Klavier, Geige und Cello an ihre Stelle. Es entstand das klassische Tango-Orchester, für das zahlreiche Komponisten immer anspruchsvollere Partituren schrieben. Astor Piazolla (1921 – 1992) beschrieb in einer eigenen Komposition („Histoire du Tango“) diese Entwicklung, für die er vier Phasen sah: vom getanzten Tango der Anfangsjahre über den gesungenen Tango in den Caféhäusern der 1930er Jahre hin zu den veränderten Formen, die um 1960 Einzug in die Nachtclubs hielten und Elemente von Bossa Nova oder Samba integrierten – bis schließlich zu den heutigen Tango-Konzerten.

Ein solches konnte heute das Publikum in der Ingelheimer „kING“ miterleben. Im Rahmen von „RheinVokal“ gastierte das Quartett „SolTango“ zusammen mit dem argentinischen Sänger Leonel Capitano. In ihrem Programm „Tango Pasión“ präsentierten sie einen Querschnitt aus der Fülle ganz unterschiedlicher Tango-Kompositionen – mal mit Gesang, mal rein instrumental. Dabei gelingt den Künstlern die Verbindung von einer Hommage an den Tango der „Goldenen Ära“ mit der Klangwelt der Kammermusik. Das war wohl auch die Triebfeder bei dem Initiator von „SolTango“, dem Pianisten Martin Klett, der eine Professur für Kammermusik an der Musikhochschule Weimar innehat. Auch sein Kollege und Mitgründer, der niederländische Cellist Karel Bredenhorst, hat einen kammermusikalischen Hintergrund. Der Violinist Thomas Reif wurde bereits mit 26 Jahren Konzertmeister beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Am Bandoneon saß mit dem Norweger Andreas Rokseth ein Könner, der auch bei seinen Auftritten im Heimatland des Tangos das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss.

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Und mit Begeisterung lässt sich auch die Reaktion des Ingelheimer Publikums an diesem Abend beschreiben. Ernst nach mehreren Zugaben entließ es die Künstler von der Bühne.

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