Material und Bedeutung - Drei Künstlerinnen im Ingelheimer Kunstverein
Unter dem Ausstellungstitel „HEUTESCHÖN“ präsentieren die unterfränkischen Künstlerinnen Christian Gaebert, Kerstin Römhild und Helga Schwalt-Scherer vom 18. April bis zum 17. Mai ihre Arbeiten im Ingelheimer Kunstverein in der Bahnhofstraße 48.
Christiane Gaebert setzt Schnitte wie Linien und schafft aus einfacher Fläche komplexe Objekte und Schattenspiele der besonderen Art. Im Fokus ihrer zweidimensionalen Arbeiten stehen Mensch und Menschliches in jeder Form, ob dynamischer One-Liner oder Malerei. In scheinbar endloser Linie entstehen teils 20 bis 30 Gesichter, die in einem Zug gezeichnet oder gemalt worden sind und verkörpern Dynamik, Zeitfluss und Bewegung, verbinden Vergangenheit mit Gegenwart und öffnen ein Fenster in eine mögliche Zukunft. Die so entstandenen Portraits erwidern den Blick, fordern einen Dialog heraus, werfen Fragen auf und konfrontieren die Betrachtenden mit ihrer Präsenz. Auch Tiere bevölkern die Leinwände, ob als Beute, Predator, mythische Figur oder als Stellvertreter menschlicher Wesensart.
Kerstin Römhilds Aufnahmen entstehen meist in der Natur oder im öffentlichen Raum und dokumentieren Details sowohl konkret, als auch diffus. Nebensächliches rückt in den Vordergrund, Gegenständliches löst sich auf. Ein Schwerpunkt ihrer jüngsten Arbeit ist die grafische Verfremdung von Fotografien. Mit der Serie „Lack ab“ zeigt sie sowohl die Schönheit von Alltäglichem als auch von vermeintlich Hässlichem. Sie macht sichtbar, was man normalerweise nicht oder vielleicht mit ganz anderen Augen sieht. Verwitterte Fassaden, Spiegelungen und Schatten besitzen eine eigene faszinierende Ästhetik. Sie erzählen Geschichten von Vergänglichkeit oder spiegeln Eigenblicke wieder.
Helga Schwalt-Scherer beschreitet mit ihren Skulpturen, Installationen, analogen und digitalen Zeichnungen eigene Wege. Mit dem Werkstoff NATO-Draht, einer mit messerscharfen Schneiden ausgestatteter, optimierten Form des herkömmlichen Stacheldrahts, schafft sie prägnante Werke, die von einer Balance zwischen Schönheit und Schrecken getragen werden. Durch die Zweckentfremdung des NATO-Drahts eröffnet sich die Künstlerin neue materielle Möglichkeiten der Formgebung und neue ideelle Möglichkeiten der Sinngebung für ihre Skulpturen, die aus diesem Material entstehen. Sie webt daraus Decken, strickt damit Socken und fertigt anschmiegsame Wärmflaschen. Die vordergründige Wirkung und die präzise Gestaltung dieser eher harmlosen Gegenstände stehen in einem befremdlichen Kontrast zu dem dafür verwendeten Material.
Perspektivwechsel, Haptik und sensorische Spannung stehen im Mittelpunkt der Objekte, Skulpturen, Malereien und fotografischen Arbeiten und schaffen einen Reiz durch dialogische Gegenüberstellung.
Der Kunstverein lädt alle Interessierten herzlich zur Vernissage am 18. April um 19 Uhr ein.
»HEUTESCHÖN« Vom 18.04. bis 17.05.2026 Öffnungszeiten: Fr 16 bis 18 Uhr, Sa 10 bis 13 Uhr, So 14 bis 17 Uhr Kunstverein Ingelheim e.V., Bahnhofstraße 48, 55218 Ingelheim,
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