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Lokal • 12. September 2025

Weinanbau in Ostfriesland

Beim Lesen dieser Überschrift dürften bei Ihnen wohl Fragezeichen auf- tauchen. Soll das vielleicht ein Aprilscherz sein? Oder etwa einer jener - man verzeihe das sich mir hier unwillkürlich aufdrängende Wortspiel – wie Sand am Meer vorhandenen Ostfriesen-Witze? Mitnichten!

Weinreben können durchaus auch nördlich der für sie üblichen Breiten- grade gedeihen. So brachte die Stadt Wiesbaden 1968 Rieslingreben nach Berlin-Kreuzberg. 1975 folgte Ingelheim mit Spätburgunder. Seitdem kann man „Kreuzberger Nächte“ auch mit lokalem Wein feiern. Aber Ost- friesland – dort sind doch die Bedingungen für Weinanbau nun wirklich nicht gegeben …

Das wollten im „Land hinterm Deich“ einige Weinliebhaber nicht so stehen lassen – und gründeten 2017 die „Erste Ostfriesische Winzergenossen- schaft“ (OWG). In einem „Weinberg“ von rund 1 ha Fläche wurden Reben angepflanzt, die widerstandsfähig genug für dieses „suboptimale“ Klima sind. Es sind die Rebsorten Solaris und Souvignier Gris, die beide als pilzresistente Sorten („Piwis“) gelten und einen an ökologischen Prinzipien orientierten Weinbau ermöglichen. Mit der Essenheimer Winzerin Angelina Schmücker haben die ostfriesischen „Weinbauern“ eine tatkräftige Unterstützerin für den Ausbau des Ernteguts aus dem kleinen „Wein- feldberg“ bei Breinermoor im Landkreis Leer gefunden. Vinifiziert wird also bei uns in Rheinhessen.

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Im September 2023 war es dann endlich soweit – mit viel Publicity wurden die ersten Trauben gelesen. Mit 85 Oechslegraden konnten die Pioniere des ostfriesischen Weinbaus zufrieden sein. Jetzt im April 2025 konnte der „Wilderfang“ – so der Name des Weins – erstmals verkostet werden. Die Önologin aus Essenheim attestiert ihm einen Geschmack, der die „Frische der Nordsee“ und die „Charakterstärke Ostfrieslands“ in sich vereint. Und in der gehobenen Gastronomie findet sich der Wein aus dem äußersten Nordwesten Deutschlands bereits auf der Karte. Es gibt also eine Alternative zu dem Gerstensaft, der als „friesisch herb“ beworben wird.

Ob der „Wilderfang“ aber einmal als der erste Wein aus einem 14. deut- schen Weinbaugebiet in die Geschichte eingehen wird, erscheint dennoch eher fraglich. Interessant könnte da schon eher die Frage sein, ob man es im Land der Weltmeister im Teetrinken auch einmal mit Rebsorten probiert, aus denen dann ein akzeptabler Rotwein zu erzeugen ist. Vielleicht könnte dabei Schützenhilfe aus der Rotweinstadt Ingelheim hilfreich sein …

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