Wechsel an der Spitze: Dr. Nicole Nieraad-Schalke übernimmt Leitung des Museums bei der Kaiserpfalz
Seit 1. Januar 2026 leitet Dr. Nicole Nieraad-Schalke offiziell die Geschicke des Museums bei der Kaiserpfalz. Die gebürtige Ingelheimerin hat das Amt von Dr. Ingeborg Domes übernommen, die sich nach 16 Jahren im Haus – die letzten fünf davon als Leiterin – Ende 2025 in den Ruhestand verabschiedete.
Auf ihre Nachfolgerin warten in den kommenden Jahren richtungsweisende Aufgaben. Im Fokus stehen der seit Langem geplante Umbau und die umfassende Modernisierung des Hauses, die den Grundstein für eine zukunftsorientierte Museumsarbeit legen sollen. Ein besonderes Anliegen ist dabei die Verbesserung der Barrierefreiheit, die im aktuellen Bestandsbau buchstäblich an ihre physischen Grenzen stößt. Die baulichen Maßnahmen eröffnen zugleich die Chance für eine kuratorische Neuausrichtung: Die Dauerausstellung soll ein neues Gesicht erhalten, das die Stadtgeschichte mit innovativen Vermittlungskonzepten lebendig werden lässt.
Weichenstellung für die Zukunft
Unterstützt wird Nicole Nieraad-Schalke dabei von Dr. Isabel Kappesser, die wie schon in den letzten Jahren auch in Zukunft als stellvertretende Leiterin des Museums fungieren wird. Kulturdezernentin und Bürgermeisterin Eveline Breyer ist überzeugt, damit die bestmögliche Lösung gefunden zu haben: „Nicole Nieraad-Schalke ist Ingelheimerin mit Leib und Seele und fest in der Geschichte der Region verwurzelt. Sie bringt alle notwendigen Kompetenzen mit und hat in den letzten Jahren schon viel für die Kulturarbeit auf den Weg gebracht – gemeinsam mit Isabel Kappesser bildet sie ein eingespieltes Team, das die richtigen Weichen für die Zukunft unseres Museums stellen wird.“
Auch die neue Leiterin blickt den anstehenden Herausforderungen mit Optimismus entgegen: „Ich möchte das Museum zu einem Ort des Vertrauens und der Begegnung entwickeln“, betont Nieraad-Schalke. „Dabei sollen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und interaktive Präsentationskonzepte das Fundament für eine zeitgemäße, erzählerische Ausstellung bilden.“
Seit 2020 verantwortet die promovierte Kulturanthropologin gemeinsam mit Isabel Kappesser die Bereiche Bildung, Kommunikation und Sammlungsmanagement des Museums. Mit ihrem interdisziplinären Hintergrund in Soziologie, Neuerer Deutscher Literaturwissenschaft und Gender Studies bringt sie ein breites kulturwissenschaftliches Verständnis mit. Vor allem begeistert sie sich für Frauengeschichte und interkulturelle Fragestellungen. Viele dieser Aspekte sind in neue Formate eingeflossen, die unter ihrer Leitung in das museale Veranstaltungsprogramm aufgenommen wurden: Über Theater und Musik, Kunst und Kulinarik, Literatur und Grusel bieten sie kreative Zugänge zur Geschichte. Die feste Verbundenheit mit der Rotweinstadt zeigt sich auch in ihren Gästeführungen unter dem Motto „Kultur muss knistern“ und in dem 2020 erschienenen Stadtführer „Ingelheim zum Verlieben“.
Geschichte als Lernort für die Gegenwart
Mit biografischen Studien zu Ingelheimer Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts – etwa Albert Gerhard de Roock, Natalie von Harder, Gertrude van Krieken oder Multatuli – hat Nieraad-Schalke in den letzten Jahren wichtige wissenschaftliche Impulse gesetzt. Als Mit-Kuratorin trug sie zum großen Erfolg der Ausstellung „Alexander von Humboldt – Carlo von Erlanger. Natur im Wandel 1769-2022“ im Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus bei. Ihr Blick in die Vergangenheit ist dabei nie Selbstzweck, sondern Ausgangspunkt für Verbindungen in die Gegenwart. Ihre zentrale Leitfrage lautet stets: „Was hat das mit uns heute zu tun?“
„Mir liegt besonders der Ausbau generationenübergreifender, barrierearmer Angebote am Herzen, die auch Menschen mit Handicap oder Demenz einbeziehen“, unterstreicht Nieraad-Schalke. „Ich sehe meine Aufgabe darin, die wissenschaftlich-didaktische Strahlkraft des Museums weiter nach außen zu tragen und gleichzeitig die Identifikation der Ingelheimer*innen mit ‚ihrem‘ Museum zu stärken.“
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