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Kultur • 14. April 2026

Kirchenmusik ganz anderer Art

Als Duke Ellington (1899 – 1974) den Auftrag erhielt, für die Weihung der Grace Cathedral in San Francisco ein passendes kirchenmusikalisches Werk zu kreieren, durfte man gespannt sein. Und was der als Pianist, Komponist und Bandleader bekannte Musiker aus diesem Auftrag machte, war eine Sensation. Das „Sacred Concert“ von 1965 definierte Kirchen- musik völlig neu. Bigband, Chor, Solisten und Tänzer waren gleichberech- tigte Bestandteile eines Werks, das die Lobpreisung Gottes auf eine Ebene hob, die sich von einem klassischen Oratorium grundlegend unterschied. Ein Meilenstein amerikanischer Kirchenmusik war geschaffen – für uns Europäer vielleicht gewöhnungsbedürftig. Oder auch nicht – wie man beim Recherchieren der Künstlerinnen und Künstler feststellen kann, die die Uraufführung gestalteten. Da findet sich die schwedische Jazzsängerin Alice Babs (1924 – 2014). Der eine oder andere wird sich vielleicht verwundert die Augen reiben. Alice Babs? War das nicht die, die mit Liedern wie „Mama ist aus Cuba“, „In einer kleinen Konditorei“ oder „Lollipop“ ein Publikumsliebling des deutschen Schlagers der späten 1950er Jahre war? Richtig – doch Duke Ellington hatte das stimmliche Potenzial der Schwedin, das drei Oktaven umfasste, sofort erkannt und es einzusetzen gewusst.

Und der „Duke“ hätte sicher anerkennend gelächelt, wenn er im Zuschauerraum der Ingelheimer „kING“ gesessen hätte – bei der Aufführung seines „Sacred Concert“. Mit dem Bachchor Salzburg, einem der führenden Vokalensembles Österreichs, das Stammgast bei den Salz- burger Festspielen ist, und der Bigband des Mozarteums Salzburg waren die musikalischen Grundpfeiler dessen gesetzt, was das Publikum in seinen Bann zog. Nicht nur bei dem mitreißenden Bekenntnis „It´s Freedom“, das Ellington erst in eine zweite Fassung 1968 eingebaut hatte. Als der Chor das Wort „Freedom“ in einer Abfolge von vielen Sprachen der Welt intonierte, war die Aktualität dieser Botschaft unüberhörbar.

Dem Dirigenten Michael Schneider gelang es, aus diesen beiden Grundpfeilern ein in sich stimmiges Ganzes zu formen, das das Publikum mitnahm in eine Atmosphäre, die zwischen Jazzclub und Baptistengottes- dienst changierte. Und als Eli Hooker einen atemberaubenden Stepptanz bot, der Erinnerungen an Hollywood-Tanzfilme – aber auch an Josephine Bakers legendäre Auftritte - weckte, war ein weiterer Part im Konzept des „Sacred Concert“ eingefügt.

Karin Bachner fiel in der Aufführung die Rolle zu, die einst Alice Babs in Duke Ellingtons Bigband gespielt hatte. Und diese Rolle füllte sie mit ihrer jazzigen Stimme perfekt aus. Kein Wunder bei einer Sängerin, die in ihren eigenen Programmen Ella Fitzgerald huldigt. Ellington hätte seine Freude an ihrem Auftritt gehabt. Besonders angesichts der Tatsache, dass sie es verstand, ihre Stimme quasi als zusätzliches Instrument in den Klangkörper der Band einzubringen – ganz im Stil des klassischen Bigband-Sounds. Und ebenfalls ganz in diesem Stil präsentierten auch die Bandmitglieder ihr solistisches Können in typischen Einzelparts.

Was wohl Mozart dazu gesagt hätte? Immerhin ist die Bigband ja ein Ensemble der Hochschule, die seinen Namen trägt. Und diese 1841 gegründete Bildungseinrichtung hatte ja berühmte Schüler wie Herbert von Karajan. Nun – Mozart hätte wohl schmunzelnd darauf hingewiesen, dass auch ein gewisser Udo Jürgens dort einst seine Lehrjahre absolvierte. Aber auch Schauspieler wie Miroslav Nemec, der jüngst als „Tatort“- Kommissar in München seinen Abschied nahm.

Und wer sich die Mühe macht, einmal die Liste der Personen zu durch- forsten, die zum Lehrkörper des Mozarteums gehören oder gehörten, der wird auf einen Namen stoßen, der in unserer Region nicht ganz unbekannt ist – Dorothee Oberlinger (Flöte), ein Spross der berühmten Orgelbauer- Familie von der Nahe.

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