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Kultur • 5. Januar 2026

Ein Treffen, das es nie gab!

Sie konnten sich nie treffen, da sie in ihren Lebensdaten durch mehr als ein Jahrtausend getrennt waren – Karl der Große und Carl Zuckmayer. Was aber wäre gewesen, wenn sich die beiden begegnet wären? Und wenn dieses Zusammentreffen in Ingelheim stattgefunden hätte? Auf der Bühne des Ingelheimer „kING“ wurde ein solches fiktives Aufeinander- treffen von Karl und Carl vom „Zeitgeist“-Ensemble der Mainzer Kammer- spiele in Szene gesetzt. Und das nicht als Dialog der beiden Protagonisten – sondern als Kaleidoskop ihrer jeweiligen Lebenswelten. Verbindendes Element sollte die Absicht des Literaten Zuckmayer sein, ein Stück über den Herrscher zu schreiben. Dieser zeigte wiederum großes Interesse an dem Bild, das der Nachwelt dadurch von ihm vermittelt werden würde. Und so zauberten die Darsteller – neben den Profis von „Zeitgeist“ zahlreiche engagierte Laien aus Ingelheim und Umgebung – Schlaglichter des Lebens von Karl/Carl auf die Bühne. Durch eine großformatige Projektion erweckte diese den Eindruck der „aula regia“ der hiesigen Kaiserpfalz. In Einlassungen von Figuren aus dem Umfeld von Karl/Carl entstand so ein facettenreiches Bild der „Titelhelden“. Ein Bild, das positive wie negative Seiten der beiden gegenüberstellte – ohne dabei jedoch zu werten.

So erschien Kaiser Karl sowohl als „Sachsenschlächter“ wie auch als „Vater Europas“. Und dass der des Schreibens unkundige Karl in seinem Reich die Bildung förderte, unterstreicht ebenfalls die Vielschichtigkeit dieser Person. Ebenso wie sein nicht unbedingt von Askese geprägtes Privatleben.

Und die Ambivalenz Zuckmayers wurde dem Publikum durch zwei höchst unterschiedliche Literatur-Nobelpreisträger vor Augen geführt. Thomas Mann mokierte sich über die vermeintliche Trivialität der Theaterstücke des in Nackenheim geborenen Dichters. Winston Churchill (eher als Politiker und Staatsmann bekannt) fand Verständnis für eine weniger bekannte Seite des Autors des „Fröhlichen Weinbergs“ – nämlich dessen Erstellen von Dossiers über deutsche Kulturschaffende nach 1945 im Auftrag der CIA!

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Am Ende des ungewöhnlichen Theaterstücks „Alles Carl? Alles Karl!“ gab es dennoch eine klare Botschaft: Das Handeln von Personen ist immer im Kontext ihrer jeweiligen Zeit zu sehen. Bei dem Namen des Ensembles („Zeitgeist“) versteht sich das eigentlich von selbst. Aber mehr noch: Was immer Du tust – tu es nicht unter dem Gesichtspunkt, was andere über Dein Tun denken könnten! Tu es, weil Du es tun willst! Sei Carl/Karl!.

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