Kontrovers diskutiert – die Planungen zum
Rathausplatz

Ein Interview mit Hans-Werner Klose,
der FBI Ingelheim

Ingelheimer Marktplatz:
Welcher Zweck und welches Ziel sollen mit einer Halle verfolgt werden, welche Zielgruppen angesprochen
werden?


Hans-Werner Klose: FBI hat immer die Bedeutung einer Kulturhalle für die Belebung der Innenstadt betont. Insofern ist für uns wichtig, dass die Halle als Kultur- und Kongresshalle nutzbar ist. Sie soll auf keinen Fall als Konkurrenzhalle für die Ingelheimer Vereine verstanden werden. Nein, im Gegenteil, unsere Intention ist es, auch die Menschen aus dem Ingelheimer Umland, Jung wie Alt, mit zielgruppenorientierten Veranstaltungen nach Ingelheim zu bringen. Aber die Halle sollte auch in der Lage sein, z. B. eine Produkteinführung von Boehringer als Veranstaltung aufnehmen zu können. Die Ausstattungs-
merkmale einer solchen Halle sind sowohl für
Business als auch Kultur ziemlich identisch. Wichtig ist der
qualitative Anspruch an die Ausstattung. Wir dürfen nicht den Fehler machen, Halbherziges zu bauen. Dies wird teuer und trotzdem ineffizient. Schon von Anfang an haben wir immer gefordert, dass Fachleute uns beraten müssen, welche Halle in Ingelheim mit professionellem Management erfolgreich betrieben werden kann. Gerade die jetzt in den Parteien kursierenden unterschiedlichen Hallengrößenaussagen entbehren jeder fachlichen Grundlage. Es sind politisch motivierte Vorgaben, die aus dem Bauch heraus gemacht werden. Wir sind eher dafür, auf eine Halle zu verzichten, als eine Halle zu bauen, die nicht die von uns gewollten und für Ingelheim richtigen Voraussetzungen erfüllen kann. Deshalb wird eine
professionelle Entscheidungsgrundlage benötigt.

Ingelheimer Marktplatz:
Wo kann eine Halle ihren Standort finden?

Hans-Werner Klose: Unter Berücksichtigung unserer oben
genannten Zielsetzung kommt für uns nur eine Halle im
Zentrum infrage. Nach den Veranstaltungen sollen die Besucher der Halle eben nicht zu ihren Autos stürmen und
Ingelheim auf dem schnellsten Wege wieder verlassen,
sondern sie sollen noch in der „Neuen Mitte“ verweilen.
Für viele sicherlich im Moment nur eine Vision, aber ich bin
davon überzeugt, dass bei konsequenter Verfolgung des
Gedankens, die Innenstadt durch Kultur, Gäste, Bildung und auch Kommerz mit Menschen zu füllen, auch ansprechende Verweilstätten durch private Initiativen entstehen werden, die sowohl Besucher als auch Ingelheimer in Ingelheim verweilen lassen werden.

Ingelheimer Marktplatz:
Welche Kosten für die Einrichtung und welche
Folgekosten entstehen?

Hans-Werner Klose: Diese Frage kann nur durch die bereits genannte Studie beantwortet werden. Eine Kulturhalle ist kein Produkt von der Stange, sondern
muss auf unsere individuellen Ingelheimer Bedürfnisse angepasst werden. Die Halle muss die variablen Unterhaltungskosten weitestgehend aus den Einnahmen abdecken. Es hat wenig Sinn, etwas zu konzipieren, was uns Jahr für Jahr erhebliche ungedeckte Folgekosten beschert. Wir müssen jedoch auch berücksichtigen, dass eine funktionierende Halle positive Impulse auf ihr gewerbliches Umfeld haben wird. Deshalb glauben wir, dass in die Folgekostenrechnung nicht die Abschrei-
bungen und die Zinsen für das eingesetzte Kapital eingerechnet werden sollten. Man kann ein solches Projekt auch kaputtrechnen. Im Übrigen sind wir oft genug im Rat diejenigen, welche Folgekosten bei Prestigeob-
jekten aufzeigen und bemängeln. Als jüngstes Beispiel möchte ich hier den Umbau der Gaststätte Emmrichshütte im Ingelheimer Wald nennen.


Als Fazit darf ich unsere Haltung zur Halle nochmals zusammenfassen:

Hans-Werner Klose: Wir sind für eine Halle, aber
nicht um jeden Preis. Die Halle muss den Ingelheimer Verhältnissen und Anforderungen entsprechen. Diese Anforderungen müssen professionell untersucht und definiert werden. Das Hallenmanagement muss unbedingt professionell erfolgen. Nur auf dieser Grundlage sind die von uns gewollten Ziele umsetzbar und der Hallenbau vertretbar. Und natürlich muss nicht zuletzt auch die Architektur ins Stadtbild passen. Ingelheim versteht sich als Mittelzentrum der Region. Für diesen
Anspruch müssen wir auch etwas tun.

Die Redaktion bedankt sich bei Hans-Werner Klose,
Fraktionsvorsitzender der Freien Bürgerliste Ingelheim
(FBI) für das Interview.


Hans-Werner Klose
Fraktionsvorsitzender der
Freien Bürgerliste Ingelheim