Die „neue“
Stadtmitte Ingelheim
wird schöner werden ?!
Meinungen in Ingelheim -
ein Interview mit Mark Zwehn und Eveline Breyer
Das Stadtzentrum von Ingelheim soll attraktiver werden.
Die vorliegenden Pläne hierzu werden kontrovers
gesehen. Herr Mark Zwehn, Inhaber der Goldschmiede
Zwehn in der Binger Straße, und Frau Eveline
Breyer, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der
CDU Ingelheim, nehmen Stellung zu diesem Thema:
In der letzten Stadtratssitzung
wurde der Rahmenplan für die Ingelheimer Stadtmitte
verabschiedet. Sind die Planungen damit abgeschlossen
oder gibt es noch Spielraum?
Eveline Breyer:
„Wie die Architektur und Fassadengestaltung
aussehen wird, steht noch nicht fest, und auch die
Position und Ausrichtung der einzelnen Gebäude
sind noch offen. Verabschiedet wurde ein Rahmen, auf
welchem Gebiet in der Stadtmitte man das Weiterbildungszentrum,
die Veranstaltungshalle, die Stadtbücherei usw.
in Zukunft findet. Die Innenstadt wird belebt und
die Geschäfte werden nachhaltig profitieren.
Allein das WBZ hat mehr als 20.000 Besucher pro Jahr
– pro Kurs einmal gezählt.“
Mark Zwehn:
„Zunächst einmal begrüßen wir
die Bemühungen um ein attraktives Stadtzentrum
sehr und freuen uns über die ersehnten positiven
Veränderungen. Eine gut ausgenutzte Veranstaltungshalle
in attraktiver Größe sowie eine Mediathek,
sollten auch aus unserer Sicht nicht im Abseits liegen.
Auch der Schritt, den man mit dem WBZ in Richtung
Stadtmitte macht, ist nachvollziehbar. Wenngleich
dessen Umbau/Vergrößerung noch nicht lange
zurückliegt. Fraglich ist für uns lediglich,
ob es unbedingt nötig ist, dass es zu großen
Gebäudeansammlungen an einzelnen Plätzen
kommt. Sicher gäbe es noch genügend Platz
im Zentrum – und die gerne genannten Synergien
ließen sich zum größten Teil wohl
auch so realisieren.“
Über das Gebiet
vor dem neuen Rathaus wird am meisten diskutiert.
Wie stehen Sie zu den Planungen?
Eveline Breyer:
„Nicht nur ich, sondern auch die Beteiligten
im Stadtrat können die Bedenken vollkommen nachvollziehen,
denn wir haben uns mit den gleichen Fragen bereits
in der Planungswerkstatt beschäftigt. In der
letzten Stadtratssitzung wurde deshalb eine weitere
Untersuchung beschlossen, die Planungsalternativen
zum aktuellen Vorschlag noch genau prüfen soll.
Wichtig für mich persönlich ist, dass keine
Klötze, keine dunklen, hohen Mauern, keine Dreckecken
entstehen und dass das Rathaus von der Straße
aus gut sichtbar ist. Wenn es in die Phase der architektonischen
Planungen geht, müssen sich gerade die Fassaden
meiner Meinung nach in die vorhandenen positiven Beispiele
integrieren.“
Mark Zwehn:
„Dieses liegt direkt gegenüber der Geschäftszeile,
in der sich auch unsere Goldschmiede befindet. Daher
beschäftigt uns das natürlich stärker.
Wir sehen die massive Bebauung des Geländes um
die Stadtverwaltung, die sich im dem Rahmenplan wie
eine Burg zu schließen scheint, als unbedingt
zu vermeiden an. Daher hoffen wir, dass die Platzierung
und Größe einzelner Komponenten nochmals
überdacht wird.
Ein Vorschlag wäre auch, bereits Vorhandenes
besser zu integrieren, und somit keine Ressourcen
zu vergeuden. Gemeint sind z. B. die bereits vorhandene
Grünanlage und die Tiefgarage des Marktzentrums.
Wenn man sie erhalten und ggf. erweitern kann, anstatt
sie abzureißen und an anderer Stelle neu zu
errichten, wäre das doch eine gute Sache.
Ebenso sollte man bei dem sogenannten Rundgang bitte
darauf achten, den vorhandenen, jetzt im Zentrum gelegenen
Einzelhandel nicht gänzlich abzugrenzen. Das
könnte passieren, wenn man die Stadtverwaltung
in Richtung Gartenfeldstraße öffnet und
zur Binger Straße hin mehr oder weniger schließt.
Nicht zu vergessen, dass auch das Rathaus noch einen
Anbau bekommen soll, der einigen Platzbedarf darstellt.
Und dessen Position auf dem bisherigen Rahmenplan
ebenfalls zur Binger Straße hin liegt.“
Heiß diskutiert
wird auch das Thema Fußgängerzone. Es gibt
die starken Befürworter und die absoluten Gegner.
Zu welcher Seite zählen Sie?
Eveline Breyer:
„Weder zur einen noch zur anderen. Mein Vorschlag
wäre eine temporäre Fußgängerzone.
D. h. zum Beispiel nur am Wochenende oder nur in den
Sommermonaten wird die Bahnhofstraße zwischen
Stadtplatz und Lavendelkreisel und die Binger Straße
in der Stadtmitte zur Fußgängerzone. In
der übrigen Zeit ist der Bereich verkehrsberuhigt
ausgebaut und man kann mit dem Auto Besorgungen erledigen
oder die anliegenden Arztpraxen direkt anfahren. Durch
diese Lösung hätten wir die Gemütlichkeit
mit dem praktischen Alltag verbunden. Wie das Ergebnis
am Ende aussehen wird, soll in einer Planungswerkstatt
nach den Sommerferien gemeinsam mit den Gewerbetreibenden
und Anliegern besprochen werden.“
Mark Zwehn:
„Bisher haben wir in der Bahnhofstraße
ja eine Verkehrsberuhigung. Das ist unserer Meinung
nach für Fußgänger, Einkaufende, Anlieger
und natürlich Gewerbetreibende ein guter Kompromiss.
Die Geschäfte mit ihren noch vorhandenen ebenerdigen
Parkplätzen sollten nicht gegenüber dem
Ergänzungszentrum benachteiligt werden. Deshalb
sind wir gegen die Einführung einer reinen Fußgängerzone,
sowohl in der Bahnhofstraße, als auch in der
Binger Straße.“
Die Redaktion bedankt sich bei Herrn Zwehn und Frau
Breyer für das Interview.