DAS NEUE STADTZENTRUM
IN INGELHEIM KOMMT!

Ein Interview mit Heidi Breiling,
„Das Teekännchen“, Bahnhofstr. 8

Seit Langem ist es geplant und immer wieder diskutiert: Die Entstehung eines attraktiven Einkaufszentrums in dem Stadtzentrum von Ingelheim. Im September starten die Rohbauarbeiten für die Tiefgarage des Einkaufszentrums. Frau Breiling, davon sind Sie und Ihre Nachbarn direkt betroffen.

Mit welchen Gefühlen sehen Sie dieser Phase entgegen?


Gelassen. Sehr entspannt. Jede Veränderung erfordert Kompromisse, das steht außer Frage. Sicher habe ich solche gravierenden Bauvorhaben als Gewerbetreibende noch nicht unmittelbar miterlebt, aber ich sehe es eher so: Meine Kundschaft sitzt bei uns in der ersten Reihe und bekommt hautnah täglich mit, was sich an Veränderungen tut. Und wenn ich als Geschäftsinhaberin eine positive Haltung habe, spiegelt sich das auch in der Einstellung meiner Kundschaft wieder. Ich bin auf alle Fälle neugierig, welche neuen Impulse Ingelheim durch die Entstehung einer längst überfälligen „neuen Mitte“ bekommt. Na, und wir sitzen mittendrin. Das kann ich beim besten Willen nur positiv sehen, denn so wie es bisher ist, kann es nicht bleiben. Also wird jede Veränderung, die für Belebung sorgt, mit Kusshand begrüßt.

Durch den Bau des Zentrums zwischen Bahnhof- und Georg-Rückert-Straße soll es zu keinem Verdrängungseffekt für den bestehenden Einzelhandel kommen. Vielmehr wird von einer Impulswirkung durch das Ergänzungszentrum ausgegangen.

Können Sie sich dieser Meinung anschließen?
Unbedingt. Wenn es sich tatsächlich bewahrheitet, dass ein Einkaufsmarkt dort die Türen öffnet, der bis weit in den Abend hinein geöffnet hat, und der ein alle Bereiche abdeckendes, attraktives Sortiment an Lebensmitteln anbietet, wird das zwangsläufig für Belebung und Kundenfrequenz sorgen. Denn, so hat ein schlauer Mensch schon vor langer Zeit festgestellt, von Essen und Trinken hat sich schon manch einer ernährt ;-). Außerdem findet der Neukunde eine Vielzahl anderer Geschäfte vor, durch die er bummeln, verweilen oder sich Ideen und Anregungen für den Einkauf holen kann.

Eine letzte Frage: Wie sehen Sie die Entwicklung für die inhabergeführten Einzelhändler?
Sicher wird in der Bauphase von allen Betroffenen Geduld und Durchstehungsvermögen abverlangt, um unbeschadet diese „Baustellenzeit“ zu überstehen. Aber ich denke, dass die Kundschaft eben nicht ausbleiben wird. Nach Vollendung der Umbauten sehe ich in der neuen Attraktivität und der damit verbundenen gesteigerten Kundenfrequenz eine neue Chance für den bereits bestehenden Einzelhandel, von der „neuen Mitte“ unbedingt zu profitieren.
Wie gesagt, ich kann und möchte als geborene Ingelheimerin diese Entwicklung positiv sehen, da es in Ingelheim endlich die lang ersehnte „neue Mitte“ geben wird, endlich das Zentrum, das von allen so sehr gewünscht ist. Und ich werde versuchen, meinen Teil dazu beizutragen, gestalterisch positiv auf die Umgebung zu wirken und damit Wegbereiterin für ein Ambiente zu sein, das von den Ingelheimern unbedingt begrüßt wird.

Die Redaktion bedankt sich bei Heidi Breiling, Das Teekännchen - Ingelheim, für dieses Interview.




DIE NEUE MITTE - AUS SICHT DER FWG!

Ein Interview mit Natascha Strenge, Mitglied der FWG und im Stadtrat

„Der FWG geht es um ein lebens- und liebenswertes Ingelheim. Ein Zentrum wird von ihr verstanden als Raum, wo Menschen sich begegnen, sich gerne aufhalten, aber auch versorgt sind.“

Wird nach Meinung der FWG durch das neue Einkaufszentrum dieses Ziel erreicht werden?

„Ganz sicher nicht. Lebens- und liebenswert wird eine Stadt durch individuelle Läden, Vielfalt, Grünanlagen und indem man den Charakter einer Stadt aufgreift, was aber durch dieses immer noch gigantische Einkaufszentrum ohne Charme und Originalität nicht erreicht werden kann. Liebenswert ist auch eine Stadt, die in Erinnerung bleibt, aber bestimmt nicht eine Stadt, die ein austauschbares Einkaufszentrum aufweist, wie man es überall finden kann. Die FWG ist „gegen blinden Aktionismus und für kleinteilige Geschäftsgestaltung auch mit regionalen Produkten und einem Lebensmittelmarkt in angemessener Größe“ (AZ, 21.01.2009)“.

Über 70 % der künftigen Fläche ist bereits vermietet. Neben REWE-Markt, Drogerie Müller und C&A werden weiteren Ketten und auch lokalen Anbietern Shopfläche zur Verfügung stehen.

Wird diese Belebungsstrategie den bestehenden Geschäften eine Impulswirkung geben?

„Das ist keine Belebungsstrategie, sondern lediglich eine Vermietungsstrategie des Investors. Ihm geht es nämlich um eine möglichst effiziente und langfristige Vermietung und so sind Mietpreise und die vorgeschriebene Mietdauer so hoch, dass sich originellen, inhabergeführten Läden die reelle finanzielle Chance gar nicht bietet. So finden wir nur Ketten, die ganz sicher nicht für eine Belebung der Innenstadt ausreichen werden. Das war ein großer, weiterer Fehler: Das Bauvorhaben an einen Investor zu verkaufen. Davor hat die FWG auch deutlich gewarnt!“

In der Georg-Rückert-Straße stehen für das Einkaufszentrum fast 16.000 qm Fläche zur Verfügung. Die Bebauung dieser Fläche ist für die Sicherung und Erweitung der bisherigen Einkaufsmöglichkeiten im Stadtzentrum entscheidend“, so die Stadt Ingelheim.

Wie ist Ihre Meinung dazu?

In einem sind wir uns alle einig: JA – die Bebauung ist dringend erforderlich und nötig zur Belebung und Erweiterung der Einkaufsmöglichkeiten. Bei Beachtung wichtiger Kriterien hätte man durchaus echte Bereicherung schaffen können. Bei Studien diverser Gutachten, was man als Laie unbedingt tun sollte, zeigt sich ein erschreckendes Ergebnis zu diesem Thema. Googeln Sie mal nach „Einkaufszentrum und bestehende Läden“ oder lesen Sie was von DWWS, die eine Kriterienliste zur guten Integration eines Einkaufszentrums in der Innenstadt erstellt haben..., “angemessene Dimensionierung des gesamten Centers“ oder „die Einbindung des Einkaufszentrums in das vorhandene Raumgefüge“.

Auch bei einem Forschungsprojekt 2007 (Walther, Diplom-Ökonomin) zum Thema „Auswirkungen innerstädtischer Shopping-Center auf die gewachsenen Strukturen der Zentren“ kam man zu einem vernichtenden Urteil, da die durch eine Center-Ansiedlung von städtischer Seite erhoffte Zentralitätssteigerung in kaum einer der 70 kreisfreien westdeutschen Städte nachgewiesen werden konnte“. Oder „…zudem als positive Impulsgeber für die Innenstädte wirken, wie es von den Center-Entwicklern regelmäßig behauptet wird, muss angesichts der ersten Forschungsergebnisse in Zweifel gezogen werden.“

Die Redaktion bedankt sich bei Natascha Strenge, FWG Ingelheim, für dieses Interview.